18.07.2008 :::Immer wieder ist die Echtheit digitaler Fotos ein Thema in der Naturfotografie. Zuerst dachte ich, dass mich dieses
Thema eher nicht betrifft und wurde erst kürzlich eines besseren belehrt.
Als ich am diesjährigen Wettbewerb der GDT - "Europäischer Naturfotograf" teilnahm, lass ich mir natürlich auch
genau die Teilnahmebedingungen durch. Darin wurde festgelegt, welche Korrekturen an digitalen Fotos gestattet sind
und welche nicht.
Daraufhin durchforstete ich meinen Bestand an Naturfotos, um eine Auswahl zu treffen mit welchen Fotos ich am
Wettbewerb teilnehmen wollte. Im nächsten Schritt unterzog ich jedes ausgewählte Foto einer Prüfung hinsichtlich
der Regeln des Wettbewerbs für erlaubte Korrekturen…
Das Ergebnis meiner Überprüfung war ernüchternd. Fast die Hälfte der Fotos hätte mit Sicherheit zu einer sofortigen
Disqualifizierung geführt, zumindest nehme ich das an. Nicht das ich meine Fotos derart verfremdet hätte, das man
eigentlich von einem digitalen Kunstwerk reden müsste (ein Tier oder eine Pflanze im Foto die zu diesem Zeitpunkt
gar nicht da waren). Nein! es waren meist Kleinigkeiten, über die man kaum nachdenkt. Hier und da mal etwas
Störendes weggestempelt (ein Zweig, ein Ast, etc.) oder das Foto auf ein Maß zugeschnitten, das auch gleich
störende Inhalte verschwinden lässt. Von teilweise völlig überzogener Tonwertkorrektur und sonstiger Photoshop
Spielerei mal ganz abgesehen.
Gedanken:
Ich muss sagen das Ganze hat mich sehr nachdenklich gemacht und brachte mich dazu mal genau über meine Art Natur zu
fotografieren und über die Bearbeitung meiner Fotos nachzudenken. Ist das was ich am PC mit meinen Fotos mache
der richtige Weg Natur zu zeigen. Ist das der Weg den ich in der Naturfotografie gehen will, den Menschen meine
Fotos zeigen und sagen so sah es dort aus? So sah das Tier aus, das ist sein Verhalten, das passierte in diesem
Augenblick, so war das Wetter und so sah der Himmel aus…..?????
Obwohl ich weiß das es oftmals doch ein wenig anders war und der PC und ich den Rest erledigt haben. Ist das dann
noch Naturfotografie was ich da mache oder digitale Naturfotokunst?
Seit 2007 bin ich Fördermitglied der GDT, weil ich es gut finde das sich Naturfotografen organisieren, man gute
Infos und Kontakte bekommt, aber auch weil ich mich mit den Leitlinien der GDT identifizieren kann.
Mein Ziel ist es, eines Tages GDT Vollmitglied zu werden, dann wird sich aber noch einiges ändern müssen. Wie sollen
diese Änderungen jetzt aber aussehen? Ist es ab jetzt nur noch jedes unbearbeitete Foto wert, gezeigt und archiviert
zu werden? Ich denke nicht! Stattdessen habe ich mich entschlossen einen dreigleisigen Weg zu gehen.
Weg Nr.1
Der Leitsatz lautet hier für mich "Erst denken, dann auf den Auslöser drücken". Das hört sich erst mal gut an, lässt
sich aber leider in der Naturfotografie nicht immer erfüllen. Die Natur ist nun mal nicht planbar wie eine
Studioaufnahme und oftmals bleibt gar keine Zeit für langes nachdenken. Dann gilt nur noch "Finger auf dem Auslöser
lassen" und hoffen dass etwas Brauchbares im Kasten ist. Soweit es mir aber irgendwie möglich ist, werde ich
versuchen den mir selbst auferlegten Leitsatz zu befolgen und somit eine Nachbearbeitung meiner Fotos unnötig oder
gar überflüssig zu machen.
Weg Nr.2
Auf diesem Weg, werde ich mir einen Workflow erarbeiten, der nur noch die absolut nötigsten Schritte der Entwicklung
vom RAW-Foto zum fertigen JPG beinhaltet. Dieser könnte z.B. so aussehen:
- Tonwertkorrektur
- Farbton und Sättigung
- Tiefen und Lichter wenn erforderlich
- Entrauschen
- Scharfzeichnen bzw. Unscharf maskieren
Sollte es für ein Foto jedoch nötig sein, mehr digitale Bildbearbeitung anzuwenden, wird Weg Nr.3 besonders wichtig.
Weg Nr.3
Dieser Weg stellt für mich die Klassifizierung aller meiner Fotos dar. Ich beziehe mich bei der Klassifizierung
meiner Fotos, auf den deutschen Tierfotografen Fritz Pölking (leider ist er im Jahr 2007 verstorben).
In seinen Werkstattbüchern gibt es einen Artikel, zum Thema Klassifizierung digitaler Naturaufnahmen -
www.poelking.com . Die von Ihm
vorgeschlagenen Kategorien werde ich übernehmen und anwenden. Es handelt sich dabei um folgende Kategorien:
Ein Naturdokument - nicht arrangiert oder manipuliert
Immer wenn der Naturfotograf in keiner Weise in das Motiv eingegriffen hat.
Wild und kontrolliert
Bei allen Aufnahmen von frei lebenden Tieren und Pflanzen sowie Landschaften, wo der Fotograf eingreift, mit
Futter oder Lockmitteln, Tiere zu fotogenen Plätzen dirigiert oder umsetzt, mit Rufen oder Geräuschen arbeitet,
Zweige und Blätter entfernt oder zufügt usw.
Captive
Für alle Aufnahmen von zahmen oder gefangenen Tieren die internationale Bezeichnung.
Montage
Bei allen Aufnahmen, die nicht durch eine Belichtung in der Kamera entstanden sind, also
Doppelbelichtungen, Sandwichs, digital veränderte oder geschaffene Bilder.
Fazit:
Ich bin davon überzeugt, dass ich mich auf meine beschriebene Art verbessern werde und zu einer ehrlicheren Art der
Naturfotografie finden werde. Ein erster Schritt in diese Richtung ist meine neu gestaltete Internetseite auf der ich all das was ich hier von mir gegeben habe beherzigen und umsetzen werde.
Mein neuer Naturfotokalender für das Jahr 2012 ist fertig. Wenn Sie Interesse an einem Exemplar haben, dann nehmen Sie doch einfach Kontakt zu mir auf. Ich beantworte gerne alle Ihre Fragen!
Meine gesamten Naturfotos, inklusive aller Infos zu jedem einzelnen Foto, finden Sie in der Fotogalerie.